Linoldruck - ein historischer Abriss
Das Kunsthandwerk des Linoldruck stand über lange Zeit hinweg
im Schatten des traditionsreicheren Holzschnitts. Es bedurfte großer Meister
wie beispielsweise Pablo Picasso oder Henri Matisse, die bewiesen, dass der
Linolschnitt den höchsten künstlerischen Ansprüchen genügen kann.
Klare Umrisslinien und satte Texturen lassen ihn in der
heutigen Zeit eine Wiedergeburt erleben. Erstaunlich ist, dass solch gewöhnlicher
Fußbodenbelag eine magische Anziehungskraft auf Künstler auszuüben scheint.
Wurden im ausgehenden 18. Jahrhundert die heute noch beliebten Solnhofener
Platten für frühzeitige lithografische Experimente genutzt, so sollte etwa 100
Jahre später mit dem Linoleum ein Künstlermaterial seinen Siegeszug beginnen,
dem eigentlich eine ganz andere, nämlich Bodenbedeckende Funktion zugedacht
war. Sehr viele Künstler entlockten diesem prosaischen Werkstoff eine große
Vielzahl an unterschiedlichsten Gestaltungsmöglichkeiten. So steigerte sich das
Linoleum vom Bodenbelag langsam zum Künstlermedium.
Im Linoleum verbinden sich viele verschiedene Bestandteile
zu einem haltbaren, elastischen und fußwarmen Material: Kork, Leinölfirnis,
Harz und zusätzliche Farbstoffe.
Geschaffen wurde das Linoleum um 1860 in England. Es diente
zunächst allein als pflegeleichter Bodenbelag in Häusern und Schiffen. In der
Kunst des Druckes wurde das Linoleum erst in den Anfängen des 20. Jahrhunderts zum
Einsatz gebracht, zunächst als billiger Holzersatz für den Schulunterricht. Aber
bald schon entdeckten Künstler das Potential dieses Materials für Dekoration,
denn das Linoleum eignet sich besonders zur Gestaltung kraftvoller Bilder mit
detaillierten Strukturen und klar unterschiedener Farbgebung. Der synthetische
und somit auch moderne Werkstoff entsprach auch in ideeller Hinsicht der
Fortschrittsliebe vieler Futuristen, die in ihm ein Material für ihre
dynamische und stark linear geprägte Bildsprache sahen.
Auch Expressionisten aus Deutschland erzielten mit dem
damals neuartigen Linoleum herbe und kraftvolle Bildwirkungen.
Das Linoleum stellt mit seiner einfachen Bearbeitbarkeit vielseitige
Möglichkeiten der Nutzung zur Verfügung und wird auch in der Gegenwart noch als
Medium für viele farbgewaltige Kunstwerke eingesetzt.
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Über den Autor
Bernhard Heß
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von: dukasi
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