Centercourt ist auch Catwalk
Es war in den 20er Jahren, als die legendäre
französische Tennisspielerin Suzanne Lenglen, nach der auch
ein Platz auf der Anlage von Roland Garros bei den French Open benannt
ist, mit einer Radlerhose unter dem Rock zu ihren Matches erschien. Was
damals noch als konservativ und sittengemäß galt,
sollte doch möglichst wenig Bein für die Zuschauer
sichtbar sein, hat sich in der Gegenwart radikal geändert.
Die Outfits der Tennisspielerinnen sind knapper und bunter geworden und
geben damit den aktuellen Zeitgeist wieder. Mit einem traditionell
weißen Outfit á la Steffi Graf, also
weiße Hose und schlichtes T-Shirt, kann heutzutage kein Fan
mehr begeistert werden. Drum tragen die Tennisasse auch das, was sich
in den Läden oder Online-Shops
an die Frau bringen lässt. Keine Tennisspielerin von
Weltklasseformat kommt mehr ohne eigene Kollektion daher, die, so
wünschen es sich die Ausrüster, auch
fleißig von den Hobbyspielerinnen gekauft wird. Die Sportler
sind nicht mehr nur Sportler, sie sind auch Models und tragen die
unterschiedlichen Tennisartikel
wie auf einem Laufsteg. Die spektakulären einer Maria
Scharapowa sind längst legendär. Die Presse
überschlug sich vor kurzem etwa mit Lobeshymnen, nur weil die
Russin während der French Open ein brombeerfarbenes
Kleid trug. Ein „Traum in Brombeere“ habe sie
getragen. Die Kleidung war den Gazetten mehr Platz auf ihrer Seite wert
als der sportliche Erfolg. Der Centrecourt ist auch ein Catwalk, sei es
die Asche von Roland Garros, der heilige Rasen von Wimbledon oder der
Hartplatz von Flushing Meadows. Die besten Spielerinnen bekommen
mittlerweile mehr Geld durch lukrative
Ausrüsterverträge als durch die erspielten
Preisgelder.
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Über den Autor
Autor: Maik Langenberg E-Mail: MLangenberg@gmx.net
von: Maik Langenberg
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