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Tennissport verliert in Gunst der TV-Zuschauer


Vor wenigen Monaten sah es tatsächlich so aus, als könne Tommy Haas in diesem Jahr einen großen Titel holen. So gut wie am Anfang der Saison war der gebürtige Hamburger jedenfalls schon lange nicht mehr. Er stand im Halbfinale der Australien Open, gewann das Turnier in Memphis und führte das deutsche Davis-Cup-Team ins Halbfinale gegen Russland. Ein Sieg gegen Roger Federer beim Turnier in Wimbledon gegen Titelverteidiger – das wäre eine weitere Schlagzeile wert gewesen. Doch es kam anders, weil einmal mehr eine Verletzung, diesmal eine Blessur an der Bauchmuskulatur, den Wahlamerikaner stoppte.
Ähnlich wie dem Tennisprofi ergeht es seiner Sportart. Tennis verliert nämlich in der Gunst der Fernsehzuschauer kontinuierlich an Boden. Laut einer Langzeitstudie von Sport+Markt wird es acht Jahre nach dem Rücktritt der Filzball-Ikonen Steffi Graf und Boris Becker langsam ungemütlich für die Racketschwinger. „Der Tennissport hat in Deutschland eine beispiellose Negativserie hinter sich“, erklärte etwa Stephan Schröder, Mitglied der Geschäftsleitung von Sport+Markt gegenüber der Fernsehzeitschrift „TV Today“. Sei Anfang der 90er-Jahre Tennis noch auf Augenhöhe mit Fußball gewesen, nehme die Sportart mittlerweile in der deutschen Sportlandschaft nur noch einen Platz in der zweiten Reihe ein.
Eine Initialzündung wie der WM-Sieg der Handballer, die ihren Sport in der Beliebtheitsliste, hätte es nach Einschätzung Schröders jedoch selbst mit einem Tommy Haas in Bestform nicht gegeben. Er sei zwar als einziger deutscher Aktiver in der Lage große Aufmerksamkeit zu erzielen, die Voraussetzungen seien jedoch trotzdem nicht optimal, finden die TV-Übertragungen der großen Turniere doch häufig nur in den Spartenkanälen statt. Um den Abwärtstrend jedoch zu stoppen – Tennis befindet sich in der aktuellen Beliebtheitsliste nur auf Rang acht hinter Eiskunstlaufen – wäre eine breitenwirksame Übertragung sehr hilfreich. Davon könnte die gesamte Branche, vom Tennisverein vor Ort bis hin zu den Tennisartikelherstellen und den Online-Shops, profitieren. Aktuell ist man davon jedoch noch weit entfernt, schließlich ist ein neuer Becker, ja nicht einmal ein neuer Haas in Sicht.


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Über den Autor

Maik Langenberg

MLangenberg@gmx.net

 


von: Maik Langenberg
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